Wieder schwand ein Jahr,
Und ich trage immer noch Pilgerhut und -schuh.
(Matsuo Basho, Japan 1643-1694)
WANDERSCHAFT EINES FREIMAURERS
Die unumstößliche Wahrheit, die in diesem Zweizeiler des großen Haiku-Dichters ausgedrückt wird, daß wir in diesem Leben Pilger sind und es bis zum Ende bleiben werden, erfüllt uns Brüder der Sankt Johannisloge Zum Pilgrim mit Stolz und Erfurcht; mit Stolz, weil unser Logenname Programm ist und unser Ritual, unsere Tempelarbeiten diesen Geist der Suche ausdrückt; mit Ehrfurcht, weil wir wissen, daß unsere Gotteskindschaft uns am Ende unseres Weges zurück zum Anfang führen wird.
Durch das Erlebnis jahrhundertealter Rituale vermittelt die „Königliche Kunst” ein Weltbild, das wahrhaftig und zeitlos ist. Die auf christliche Ethik, Toleranz und wahre Menschlichkeit gegründete Arbeit soll dabei jedem Bruder helfen, stufenweise Erkenntnis zu erlangen und so seine persönliche Entwicklung zu vervollkommnen. Als Leitbild fungiert dabei die "reine Lehre Jesu Christi", so wie sie in den Evangelien vermittelt wird. Wir sind grundsätzlich nicht konfessionell gebunden, setzen aber das christliche Bekenntnis voraus.
Das Ritual des Pilgrim, Ritual des christlichen Freimaurerordens, lehrt nicht bloß Königliche Kunst, sondern stellt in der strengen Folgerichtigkeit, in dem klaren Aufbau der Lehre selbst ein Kunstwerk dar. Für ein Kunstwerk wesentlich ist, daß Form und Inhalt restlos ineinander aufgehen.
Der Inhalt aber wird wesentlich mitbestimmt durch die deutsche Mystik, die ihre erste Blüte im Zeitalter der Scholastik erlebt. jener Zeit, in der das Rittertum auf seiner Höhe stand: von Meister Eckhart über Nikolaus Cusanus, Jakob Böhme, Sebastian Franck und Angelus Silesius ist dieser Einfluß auf unser Brauchtum erkennbar. Wir Pilgrim-Brüder bemühen uns, diesen Geist in den Tempelarbeiten spüren und weiterleben zu lassen. Es ist der Geist, der uns als Pilger hilft, die "stille Wüste der Gottheit" (Meister Eckhart) zu suchen und - vielleicht - mit dem Segen des Schöpfers - auch zu finden.
Damit hat sich das lehrhafte Geheimnis der Freimaurerei noch nicht erschöpft. Symbollehre, Kabbala, Alchemie, Tiefenpsychologie, Philosophie, Religionsphilosophie, Musik, Sprache, Kunst, Geschichte und Literatur: die Aspekte der zeitgenössischen Freimaurerei sind so vielseitig, daß sie den Rahmen dieser Darstellung schon beim Versuch der Aufzählung sprengen würden. Die Freimaurerei ist ein Gefäß, in dem die Ausdrucksformen und Sehnsüchte der Menschheit Platz gefunden haben. Forschungslogen und Gespräche unterstützen den wissenschaftlich interessierten Bruder bei der Suche nach Erkenntnis und Selbsterkenntnis.
Die vielfältigen Möglichkeiten, ihre Kenntnisse zu vertiefen, nehmen die Brüder nach Geschmack und individueller Ausrichtung unterschiedlich intensiv wahr. Letztendlich ist die regelmäßige Teilnahme an den sogenannten Tempelarbeiten sowie die brüderliche Liebe das prägende Moment einer gelebten maurerischen Bruderschaft.
Die unumstößliche Wahrheit, die in diesem Zweizeiler des großen Haiku-Dichters ausgedrückt wird, daß wir in diesem Leben Pilger sind und es bis zum Ende bleiben werden, erfüllt uns Brüder der Sankt Johannisloge Zum Pilgrim mit Stolz und Erfurcht; mit Stolz, weil unser Logenname Programm ist und unser Ritual, unsere Tempelarbeiten diesen Geist der Suche ausdrückt; mit Ehrfurcht, weil wir wissen, daß unsere Gotteskindschaft uns am Ende unseres Weges zurück zum Anfang führen wird.