Am 23. Februar 1851 wurde Br. Heinrich Rosenthal als Logenmeister eingesetzt. Der damalige Landesgroßmeister, Br. Busch, auch ein Pilgerbruder, gab anläßlich der Amtseinsetzung der Hoffnung Ausdruck, daß mit der Wahl dieses erst 41jährigen Logenmeisters eine neue Zeit anbrechen möge. Wie wir heute wissen, hat ihn diese Hoffnung nicht getrogen.

Am 5. November 1855 wurde im Beisein des Kronprinzen Friedrich Wilhelm unsere Schwesterloge „Friedrich Wilhelm zur Morgenröthe” als 8. Berliner Tochterloge der Großen Landesloge geweiht. Br. Rosenthal forderte bei der Tafel alle BBr. auf, der neuen Schwester „Herz und Hand” zu öffnen.

Die Absicht unserer Logenführung, die Termine der Arbeiten in den meist verbreiteten Zeitungen anzuzeigen, fand die Zustimmung der Großloge nicht und wurde erst 1868 mit der Herausgabe des „Wöchentlichen Anzeigers” durch einen Br. Lindow verwirklicht. 135 Jahre später soll das Internet diese Funktion übernehmen.

Zum 25. Meisterjubiläum von Br. Rosenthal, am 23.02.1862, zugleich 86. Stiftungsfest, wurde sein Bildnis, gemalt von unserem Br. Professor Begas, feierlich enthüllt. Der Ordensmeister, Kronprinz Friedrich Wilhelm, übersandte eine handschriftliche Glückwunschadresse an den Jubilar.

Die Kriegsereignisse 1870/71 griffen auch in das Logenleben ein und verlangten Opfer an Menschen und Geld. Für die Errichtung notwendiger Baracken in der Charité spendeten die Pilgerbrüder allein monatlich 100 Thaler, das war 1/6 der Gesamtkosten!

1872 wurde die „Zirkelkorrespondenz”, das Mitteilungsblatt der Großen Landesloge, begründet. Ein weiteres wichtiges Ereignis dieses Jahres war die Gründung des deutschen Großlogenbundes.

Nach Freigaben des Logenhauses für die Abhaltung von Schwesternfesten 1873 fand dort das erste Treffen der Pilgerschwestern im März 1874 statt.

Meister Rosenthal, dessen Vater Freimaurer war und aus Nordhausen stammte, erteilte in 25 Maurerjahren 279 Bbrn. das maurerische Licht. Darunter war 1874 auch sein Sohn Otto Rosenthal. Beruflich überwogen zu dieser Zeit Kaufleute und Eisenbahnbeamte, doch immer noch war eine Vielfalt an Berufen präsent.

Mit der Loge „Zu den drei Seraphim”, die zu den Drei-Weltkugel-Logen gehörte, hatten die Pilgerbrüder eine langjährige innige Verbindung, ebenso zur Wriezener Loge „Zur Einigkeit”, die unter Mithilfe unserer Loge am 18.02.1819 gegründet worden war.

Unter Br. Rosenthal, der als Hof-Juwelier das Goldschmiedegeschäft seines Vaters führte, kam es fast bei jeder ökonomischen Loge zu Streichungen von Brüdern, die länger als 2 Jahre mit ihren Zahlungen im Rückstand waren. Wo wirkliche materielle Not herrschte, waren die Pilgerbrüder zur Stelle. Doch auch für Kulturelles gaben sie Geld: So für die Standbilder Goethes, Schillers und Wielands in Weimar und Luthers in Eisleben.

Ein besonderer Höhepunkt im Leben der Loge war das 100. Jubiläum ihrer Stiftung, das am 24. Februar 1876 begangen wurde. Dabei feierte Br. Rosenthal sein 25. Jahr als Logenmeister. 310 Festteilnehmer aus nah und fern bekundeten dem Jubilar ihre Sympathie und brüderliche Liebe. Seine Majestät, Kaiser Wilhelm I., ließ ein handgeschriebenes Grußwort verlesen, und auch Kronprinz Friedrich Wilhelm schickte einen handgeschriebenen Brief an Br. Rosenthal mit dem Dank für treue Hammerführung.

Dem Nachfolger, Br. Eduard Adler, überreichte der Landesgroßmeister, Br. von Ziegler, als Geschenk der Großloge einen reich mit Silber verzierten Hammer, der unter der Bezeichnung „Säkularhammer” von Logenmeister zu Logenmeister übergeben wurde. Br. Rosenthal stellte sich dem neuen Meister als Abgeordneter Logenmeister zur Verfügung. Er starb am 23. August 1884.

Unter zahlreichen Aussprüchen sollten wir uns diese zwei merken: „Für Lauheit gibt es keine Entschuldigung. Jeder ist verpflichtet, für die Loge das zu leisten, was in seinen Kräften steht”, und „Mehr als Anregung und Mahnung darf niemand von der Maurerei erwarten, denn ohne Selbständigkeit kann niemand Freimaurer werden”.

Meister Adler legte 1887 wegen eines zunehmenden Augenleidens den Hammer nieder. Nach Schluß der Arbeit am 12.09.1887 wurde beim Brudermahl das vom Hofmaler von Bülow gefertigte Bild des Br. Adler feierlich enthüllt.

Unter dem Nachfolger, Weinhändler Karl Adolph Wächter, überreichte Br. Brugsch, Professor und Legationsrat, bekannt durch orientalische Forschungen, der Loge eine antike, über 2000 Jahre alte ägyptische Öllampe, die von den Pilgerbrüdern 1901 der Andreasloge als Dauerleihgabe unter Wahrung des Eigentumsanspruchs überlassen wurde.

Zu Br. Wächters Zeit gehörten 268 Brüder unserer Loge an. Sein Grundsatz, der sich auf Jesus von Nazareth gründete, „Gott ist Liebe, die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung, wir sind alle Brüder, das ist auch das Ziel der Logen,” bleibt auch in der heutigen Zeit gültig.

1895 setzte Br. Otto Franz Heinrich Rosenthal mit den hohen Erwartungen, die sein Vater geweckt hatte, die Logenführung fort. Ihm ist die Errichtung einer Sterbe- und Unterstützungskasse zu verdanken, die 1898 in Kraft trat. Da seine Amtsperiode in eine der friedlichsten Zeiten unseres Vaterlands fiel, konnte sich der Meister mit seiner ganzen Persönlichkeit dem inneren Ausbau der Loge widmen. Zu seinem 25. Maurerjubiläum wurde ihm von vielen Seiten bestätigt, daß er dem Vorbild seines Vaters gefolgt sei.

Am 11.11.1900 wurde das neue Ordenshaus in der Eisenacher Straße 11/13 eingeweiht, in dem erstmals unsere Loge am 3. Dezember arbeitete. Für den Neubau hatten unsere Brüder 2000 Mark und zahlreiche Einrichtungsgegenstände gespendet.

Das 125. Stiftungsfest fand am 24. Februar 1901 statt. Bei der Tafelloge gelangte die Druckschrift „Beiträge zur Geschichte der Loge zum Pilgrim in Berlin 1776-1901” zur Verteilung. Sie war mit den Bildern sämtlicher Vorsitzenden Meister der Loge geschmückt und enthielt die Wappen der Pilgerloge, wie sie im Laufe der Zeiten verschiedenen Wandlungen unterworfen waren.

Am 13. Mai 1901 wurde mit Max Dorow erstmals ein Pfarrer in unserer Loge aufgenommen. Auf seine Anregung hin begannen die noch heute üblichen zwanglosen Instruktionsabende.

Im Oktober 1908 wurde während einer Arbeit im I. Grad das Bildnis des Meisters Otto Rosenthal, gemalt von Br. Possart, feierlich enthüllt. Auf Meister Dorow geht auch die Tradition der Weihnachtsfeiern mit Schwestern im Logenhaus zurück, die am 16. Dezember 1909 begann.

Zum 25. Maurerjubiläum des 2. Aufsehers Br. Milenz am 5.12.1910 erschienen 250 Brüder. Die Beamtenschaft ließ durch den 2. Abgeordneten Meister, Br. Oskar Meyer - den Urgroßvater unseres derzeit amtierenden Logenmeisters Klaus Jürgen Wilcke - eine Jardiniére, gefüllt mit Blumen überreichen, wobei Br. Meyer eine eindrucksvolle Ansprache hielt.

Am 4.12.1911 wurde Paul Rosenthal, der älteste Sohn Otto Rosenthals, in die Pilgerloge aufgenommen. Damit delegierte die Familie ununterbrochen bereits in der 4. Generation Männer in den Bruderbund. Es wird berichtet, daß bei der folgenden Tafelloge der Logenchor unter Leitung von Br. Boensch Hervorragendes leistete.

Meister Otto Rosenthal hat über 200 Bbrn. das maurerische Licht erteilt, hatte jedoch auch die traurige Pflicht, 140 Bbrn. Worte des Gedenkens nachrufen müssen. Nach seiner Amtsniederlegung am 23.02.1913 stellte er sich seinen Nachfolgern, den Bbrn. Dorow und Oskar Meyer bis zu seinem Tode als Abgeordneter Meister zur Verfügung.

Als die Brüder sich nach den Ferien, am 7. September 1914 zu ihrer Arbeit versammelten, war bereits Krieg. 24 Brüder waren schon einberufen worden und 17 von ihnen bereits im Felde. Wieder ging es ans Spenden, und im Logenhaus wurden Lazaretträume eingerichtet. Kriegsanleihen, Lebensmittelsendungen an die Front und allgemeiner Sparzwang beschäftigten die Brüder und Schwestern über die ganze Zeit des Krieges. Die Arbeiten wurden fortgesetzt, doch in größeren Abständen. 1917 gab es auch zum Stiftungsfest keine Tafelloge mehr. Die Reihen der Brüder lichteten sich durch den Krieg, viele verloren ihre Söhne.

Br. Dorow ging am 4. Juni 1917 in den ewigen Osten ein. Sein feuriges und begeisterndes Temperament führte auch in diesen 4 schlechten Jahren 49 Suchende unserer Loge zu. Dem stehen jedoch auch 30 Todesfälle gegenüber und zahlreiche Deckungen infolge der materiellen Not.

Die Wahl des neuen Meisters fiel, wie erwartet, auf Br. Oskar Meyer, den langjährig bewährten Redner und 2. Abgeordneten Meister. Anläßlich seiner Einsetzung wurde ein Bildnis des Meisters Dorow, gemalt vom Pilgrim-Br. Breßler, feierlich enthüllt.

Die nächsten Jahre brachten Not und politische Unruhen. Die schlechten Verkehrsverhältnisse behinderten den Besuch der Logen erheblich. Amerikanische und schwedische Brüder bekundeten mit Hilfssendungen und dem Angebot, Kinder von Brüdern aufzunehmen, ihre Solidarität mit der deutschen Bruderschaft. Der Gesundungsprozeß begann erst nach Überwindung der Inflation, 1923. Diese hatte zu dem kuriosen Kassenbestand von 46 Billionen 940 Milliarden Mark geführt und zu dem Monatsbeitrag von 36 000 Mark.

1925 verließen einige BBr. unsere Loge, um die neue Johannisloge „Aufwärts” zu gründen, die letztlich aus dem Charlottenburger Pilgerkränzchen hervorgegangen war. Unsere Brüder spendeten der neuen Loge den Meisterhammer. Dennoch gehörten dem Pilgrim im 150. Jahr seines Bestehens 1926 noch 274 Brüder an.

Das stolze Vermögen war dahingeschwunden, und in der Denkschrift zum 150. Stiftungsfest von Br. Paul Friedrich Burmeister „150 Jahre Loge zum Pilgrim” wurde die Frage gestellt, „ob dieses einst so stolze Vermögen jemals wieder an Wert gewinnen wird.”

Br. Oskar Meyer stand der Pilgrimloge von 1918 bis zum Jahre 1930 vor. Er konnte trotz ungünstiger äußerer Umstände gemeinsam mit seinem 2. Abgeordneten Meister, Br. Paul Hoffmann, die geistige Erneuerung der Loge vollziehen. Br. Meyer, der mit viel Umsicht und Liebe die Loge führte, gab ihr auch als überaus begabter Redner seit 1900 neue, zukunftsweisende Impulse. Er mußte 1930 aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz des „Pilgrim” abgeben, stellte sich aber dennoch als 1. Abgeordneter Meister zur Verfügung. Am 22.10.1932 ging er in den e.O. ein. Unter seiner Leitung wuchs die Loge in der schweren Nachkriegszeit von 260 auf über 300 BBr. an.

Nach ihm wurde mit Br. Paul Rosenthal der 3. Vertreter der Familie Logenmeister. Ihm oblag 1935 die schwere Pflicht, die zwanghafte Schließung unserer Loge durch die Nationalsozialisten zu vollziehen und das Licht zu löschen. In bewegten Worten schreibt er seinem Freund, dem Br. Paul Hoffmann, am 17. Juli 1935 nach Ahlbeck unter dem Absender „Aus der Johanniloge „Zum Pilgrim” in Liquidation”:

„Mein lieber Freund! Nun hat die Großloge und auch unsere Pilgerloge aufgehört zu bestehen. ... Wir wollen versuchen, alles in christlicher Demut und ritterlicher Standhaftigkeit zu tragen. Über das, was ich verloren habe und über die Leere, die ich empfinde, brauche ich Dir gegenüber keine Worte zu machen. ... Aber trotz allem: Wir wollen die Alten bleiben und dankbar sein für all die Stunden, die uns der Orden geschenkt hat, und für die Freundschaften, die wir durch ihn haben schließen können. Das ist etwas Unverlierbares, das uns durch niemand genommen werden kann.”

Links zu unseren Schwesterlogen:
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